Schul-Projekte

Das Schulprojekt der Bats soll die wichtigste Säule des Vereins werden.

Wir sind der Meinung, dass mehr Basketball-Sport in der Schule angeboten werden sollte. Besonders für die kleinsten. In der Grundschule St.Pauli leitet unser Trainer Samer Ismailat seit April 2017 eine Basketball-AG für 3./4. Klassen. Im September 2017 nahm er nebenan, an der Ganztagsschule St.Pauli, eine Basketball-AG für 5./6./7. Klassen und eine Streetball-AG für 8./9./10. Klassen an. Die Streetball-AG ist ein neues, in Hamburg seltenes Konzept um die Kinder wieder mehr für den Basketball-Sport auf der Straße zu animieren. Das ist die Grundlage um später das Basketball spielen in der Halle zu erlernen. Seit Januar 2018 arbeitet er, ebenfalls an der GtS St. Pauli,als Sportlehrer für 5.-10. Klassen. Diese Entwicklung sagt schon viel über die Qualität seiner Arbeit aus.

In der Schule ist unser primäres Ziel, das Miteinanderspielen zu fördern. Besonders Aktivitäten draußen an der Luft wie Streetball-Turniere und gemeinsame Ausflüge stehen auf dem Programm.

Geplant ist auch eine inoffizielle Grundschul-Liga, in der die Schulen gegeneinander antreten und die Eltern zum Zuschauen kommen. Die Hamburg Towers veranstalten bereits Meisterschaften für die Kleinen, der Vattenfall Schul-Cup. Am 29.6.2017 nahm zum ersten mal die Schul-AG der Grundschule St.Pauli mit zwei Teams teil (Bericht unter Juni 2017).

Der faire Wettbewerb soll ein Gemeinschaftsgefühl schaffen, wo der Gegner wertgeschätzt wird und Hautfarbe sowie Nationalitäten keine Rolle spielen. Kinder bekommen früh von den Eltern gesagt: "Spiel nicht mit dem und spiel nicht mit denen..." Genau da beginnt das Ausgrenzen. Genau da setzen wir an. Wir erklären den Kindern, dass wir einander brauchen. Sonst könnten wir dieses Spiel garnicht spielen. Bei jedem Ausflug integrieren wir auch Kinder, mit denen in der Schule oder der Siedlung sonst niemand spielt, weil sie aggressiv sind oder sie niemand versteht. Nach nur wenigen Ausflügen haben diese Kinder einen besseren Ruf und finden leichter Freunde.

Viktor z.B. aus der "Spiegel TV Doku " wird seit 2012 von Samer betreut. Auch außerhalb des Spielfeldes hat Samer ein Ohr für die alltäglichen Probleme des Lebens.

Hier schreibt Samer selbst über das Schul-Projekt der Bats:

 

Dezember 2017

Im Jahre 2006 war die Einführung der NBBL ( U-19 Jugend-Bundesliga) und im Jahre 2008  folgte die JBBL ( U-17 Jugend-Bundesliga). Beide Maßnahmen waren extrem wichtig und dringend notwendig um die Jugendlichen besser auszubilden. Andere Top-Nationen in Europa waren da Jahre voraus und produzierten regelmäßig NBA Spieler. Während Deutschland von 1999-2013 (Detlef Schrempf beendete 2001 seine Karriere) nur Dirk Nowitzki in der NBA vorweisen konnte. In der Nationalmannschaft waren neben ihm (Kaman/Bradley wurden eingebürgert), nur wenige erwähnenswert. Es brauchte Zeit bis das Jugendprogramm Früchte abwarf. Nach nur 7 Jahren, von 2013-2017, haben es 7 weitere deutsche wie Schröder, Theiß, Kleber, Zipser, Pleiß, Harris und Olbrecht in die NBA geschafft. 4 davon + Nowitzki sind 2018 noch immer aktiv. Unsere 1.Liga, die BBL, profitierte ebenfalls immer mehr vom Jugendprogramm (bei einem 12 Mann Kader gilt aktuell eine 6 deutsche + 6 ausländische Spieler Regelung). Den Begriff Quotendeutscher gibt es nicht mehr. Deutsche Spieler kriegen dank der Regelung Spielzeit und können sich beweisen. Der letzte deutsche Topscorer der BBL war 1998 Dirk Nowitzki. 20 Jahre später, 2018, ist Robin Benzing lange auf Platz 1 und hat gute Chancen es bis zum Saisonende zu schaffen.

Alle 2 Jahre seit 1958, findet die inoffizielle U-18 WM, das Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim statt. Die USA ist mit 10 Siegen Rekordmeister. Magic Johnson, Tim Duncan, Vince Carter aber auch Arvydas Sabonis oder Dirk Nowitzki starteten ihre Karrieren dort. Deutschlands überraschte mit dem 2.Platz 2010. Wie gut deutsche Jugend-Nationalspieler geworden sind, sah man beim Turnier 2016. Zum ersten mal überhaupt gewann Deutschland das Turnier. Ein weiteres Zeichen das es bergauf ging.

Das hört sich eigentlich ganz gut an oder? Mir reichte das noch lange nicht. Die Nachwuchsarbeit beginnt schon viel früher. Nach dieser guten Entwicklung trotzdem von einer Krise in den letzten 20 Jahren zu sprechen ist nicht nur meine Meinung. Ich finde, wir müssen noch früher ansetzen. In Sachen Schulsport können wir von der USA eine Menge lernen.

Ein absoluter Fachmann ist zum Beispiel Henning Harnisch. Er ist eine Basketball-Legende in Deutschland. Mit der deutschen Nationalmannschaft holte er den einzigen EM Sieg 1993, gewann in der BBL 9x hintereinander die Meisterschaft und 5x den Pokal. Nach seiner Spielerkarriere fing er 2004 bei Alba Berlin als Team-Manager an. Seit 2010 ist er dort Vize-Präsident und verantwortlich für den Nachwuchsbereich in Deutschlands größtem Basketballverein.

Wir Dreierschützen kennen uns natürlich. “Ihr Bats macht es genau richtig! Weiter so!" Sagte Henning Harnisch.

In diesem Interview mit der "Zeit" vom 17.5.2017 sagte er:

Harnisch: “Der Schulsport steckt genauso in der Krise wie der Vereinssport. Man hört nur von beiden Seiten erstaunlich wenig. Wenn man in Deutschland über Sport redet, heißt es immer: läuft! Dabei müssten die Leute sagen: Wir haben ein Problem, lasst uns das als Krise definieren und anfangen, eine neue Perspektive zu schaffen.“

Es ist die Vernetzung der Schulen und der Vereine. Denn die Talente müssen erstmal begeistert und dann erst entdeckt werden. So früh wie möglich. Deswegen können wir in Hamburg, dank unserer Bats-Korbanlage auch für 4-5 jährige also schon im Kindergarten die ganz Kleinen für unseren Sport begeistern. Bei den Jugendlichen gibt es auch ein Problem. Was passiert mit den Spieler die es nicht in die JBBL oder NBBL schaffen? Ich gehe da gern noch weiter und schlage eine neue Idee vor. Die Einführung einer Veranstaltung die in den USA “NBA Draft“ genannt wird (NBA Teams wählen jährlich aus den College-Ligen die größten Talente für Ihren Kader). Bundesliga Teams könnten bald ebenfalls aus der Schule oder der Uni die Talente raussuchen und Ihnen Profi-Verträge (evtl. für den erweiterten Kader) plus Stipendium oder Ausbildung anbieten. Das hört sich noch wie ein Traum an. Wenn aber Vereine wie Alba Berlin, Brose Bamberg oder der FC Bayern München damit anfangen ist es ganz schnell Realität. Dafür braucht es ein einheitliches Schul-Team-Konzept in ganz Deutschland.

Harnisch weiter: “Wenn die Schulen vorangehen, kann das schon viel bewirken. Wir haben hier in Berlin eine Grundschul- und Oberschulliga gegründet. Dafür übernehmen jetzt vermehrt Sportlehrer die Verantwortung und bilden zum Beispiel Schulmannschaften, die an Wettbewerben teilnehmen. Sofort haben die Sportlehrer ein ganz anderes Standing bei ihren Schülern. Das gab es in den siebziger und achtziger Jahren schon mal, dass die Lehrer das Bindeglied waren zu den örtlichen Vereinen – im Basketball war das zum Beispiel extrem wichtig. Ganze Generationen von Nationalspielern sind durch die Förderung ihrer Lehrer zum Spielen gekommen. Es geht jetzt darum, eine neue Idee von Schulsport zu entwickeln.....

Erstens: Strukturen schaffen, die es Sportlehrern leichter machen, sich mit den lokalen Sportinitiativen ringsum zu vernetzen. Zweitens: Schulmannschaften bilden, die an attraktiven Wettbewerben teilnehmen – weil das so alternativlos richtig ist. Und drittens eine gute Ausbildung von Sportlehrern ermöglichen......

Die Vereine sollten sich fragen, ob das, was sie tun, noch zeitgemäß ist: in der Woche nach 16 Uhr Training und am Wochenende Wettkampf, für den man oft in heruntergerockte Sporthallen fährt. Man könnte auch sagen: Stopp! Lasst es uns machen wie die amerikanischen Highschools und die Wettbewerbe in die Schulen holen. Dafür nutzen wir dann den Vereinssport für die Ferien- und Freizeitorganisation, für alles, was Schule nicht abdecken kann. Der Verein organisiert das Snowboard-Camp in den Pyrenäen oder Open Gym am Wochenende. Nicht vergessen: Rund 170 Tage im Jahr ist keine Schule.“

Das ganze Interview nochmals hier.

Wir arbeiten bereits an der Umsetzung.

Henning Harnisch möchte nicht nur den Schulsport revolutionieren, er hat zudem seit 2011, mit Unterstützung von Ferrero ,die "Kinder+Sport Basketball Academy“ ins Leben gerufen. Ein geniales Nachwuchsprojekt für Kinder, dass sofort große Begeisterung erlangte. Die BBL nahm es in ihr Nachwuchsprojekt auf. Neben Alba Berlin, veranstalten 9 weitere BBL Vereine diese Events jährlich.

Hier finden Sie mehr Infos: https://www.kinderplussport.de/basketball-academy/

Es ist aufgebaut wie ein Parcour in 4-5 Stationen (Wurf und Korbleger jeweils auf einen Korb) wobei man sich Trikots je nach Leistungstand verdienen kann. Die Stationen sind Koordination, Passen, Dribbeln und Werfen. Jede Station hat 6 Schwierigkeitsstufen von Rookie bis All-Star. Wenn man das "Rookie“ Level an jeder Station erfolgreich besteht bekommt man ein weißes Trikot. Danach kommt das 2. Level, das gelbe "Junior" Trikot. Schafft man dort auch alle Stationen wartet Level 3 und das blaue "Player" Trikot. Nach Level 4 gibt es das grüne "Baller" Trikot. Bei dem 5. Level wird es dann schon sehr schwer, sogar für Ältere, dafür gibt es das rote "Master" Trikot. Ziel ist es den Ritterschlag zum "All-Star" zu bekommen und sich das schwarze Trikot zu verdienen. Erst 8 Kinder von mehreren Tausend Teilnehmern haben das geschafft (Stand Dezember 2017). Das erhöht natürlich den Reiz umso mehr. Wissen Sie wozu das führt? Die Kinder schnappen sich in der Freizeit den Ball und trainieren allein bis sie das nächste Trikot bekommen. Auch das Interesse an Vereins-Basketball wird geweckt.

Der siebtgrößte Basketball-Verein des Landes, SC Rist Wedel, organisierte mit der Hilfe der Eisbären Bremerhaven ein Event. Als ich meinen Grundschülern auf St. Pauli davon erzählte wollten alle mit. Einige wollten sogar ihre Fußball Punktspiele am WE dafür absagen. Ich sagte aber den Kids, dass wir auch bald ein Event planen. Die Idee, sich wie beim Karate, dass schwarze Trikot zu verdienen motivierte alle Kinder. Natürlich erzählte ich ihnen erst nach dem Event wie schwer es ist das schwarze Trikot zu bekommen. Ich hatte sogar Sorge ob einige überhaupt das weiße Trikot schaffen. Sie sind zwar schon seit April 2017 in meiner Schul-AG, aber in 60 Minuten pro Woche spielten wir mehr als dass wir richtig trainierten. Also sind alle noch als Anfänger (Rookie) einzustufen.

Ihr Lehrer auf der GTS St.Pauli, Herr Burian, kam auf mich zu und fragte ob er mit dabeisein kann. Seit dem ich an der Schule die Basketball-AG anbiete, half er mir und den Bats wo er nur konnte. Er ist genau der Lehrer von dem Henning Harnisch im Interview sprach. Ein notwendiges Bindeglied zwischen Schule und Verein. Er ist selbst Sportler und weiß wie wichtig solche Events für die Kinder sind. Ich bin froh Ihn an meiner Seite zu haben.

Als wir in Wedel ankamen wurden unsere Kinder schon etwas nervös. Die Halle war voll. Über 250 Kinder nahmen teil. Man musste eine Liste mit sich führen, wo eingetragen wurde bei welcher Station man welches Level schon erreicht hat. Für die Stationen Koordination, Passen, Dribbeln, Korbleger und Werfen hatte man 3 Std Zeit.

Der Andrang war groß. Es waren fast nur Kinder aus Wedel da. Beinahe alle im Vereins-Outfit. Wir waren die einzigen aus St.Pauli. Das schöne war, es ging mal nicht um Sieg oder Niederlage sondern nur um seine eigenen Fähigkeiten. Unsere Kinder schlugen sich gut und schafften alle das "Rookie" Level. Mit Stolz zogen sie das weiße Trikot über. Sie wollten sich natürlich direkt das nächste Trikot verdienen doch die Zeit war abgelaufen. Wir freuen uns schon bald selbst ein Kinder+Sport Academy Event zu organisieren. Die Kinder können es kaum abwarten.

Danke an Henning Harnisch und Alba Berlin für dieses Projekt. Wir sind auf eurer Seite.

Danke auch an Ferrero für die unzähligen Trikots. Euch mochten wir ja schon immer.

 

 

September 2017

Ich freue mich sehr zwei weitere Schul-AG´s anbieten zu können. Es handelt sich bei beiden um Ganztagskurse. Das heißt, Anwesenheitspflicht. Seit September 2017 trainiere ich die 5./6./7. Klassen der Ganztagsschule St.Pauli, Montags in der Halle unter dem Park Fiction. 15-20 Schüler, davon 4 Mädchen meldeten sich an. Auch hier fing ich erst mit der "Bats-Fall-Schule" an und erklärte den Kindern den Drehreflex einer Katze um lebensbedrohliche Stürze auf den Kopf zu vermeiden. In 90 Minuten kann man schon ein richtiges Training aufziehen. Man muss den Kindern die Grundlagen in Spielen gegeneinander näher bringen. Beim Spiel "Bump-Out" gewinnen regelmäßig auch Mädchen. So macht es jedem Spaß.

Für die 8./9. Klassen kamen wir auf die Idee einer Streetball-AG. Wir haben die Bats 3x3 Korbanlage zur Verfügung gestellt. Da sonst niemand in Hamburg diese Korbanlage besitzt ist es eine einmalige AG. Wir schließen nicht aus, dass andere Schulen eine Streetball-AG anbieten. Wir würden uns dies sogar wünschen. Bei unserer Korbanlage haben wir den Vorteil, die Höhe in Sekunden zu verstellen und somit auch Dunk-Contests zu veranstalten.  15 Schüler, darunter 4 Mädchen meldeten sich auch für diese AG an.

Auf den Streetball-Plätzen in Hamburg herrscht seit Jahren gähnende Leere. Genauer gesagt seit der Fußball WM 2006. In dem Jahr wurde die 'Sprite NBA Challenge' (Eine Turnierreihe die seit mitte der 90er Jahre in 8 Städten mit jeweils über 1000 Teilnehmern stattfand) am Heiligengeistfeld abgesagt, weil der Platz natürlich für Public Viewing genutzt werden sollte. Danach gab es nie wieder eine NBA Challenge und es ging mit Streetball stetig bergab. Die heutige Generation nutzt die meisten Courts nur noch als Treffplatz wo man chillt oder während des Spiels kifft und trinkt. Wenn mal ein Court belegt ist, werden dort Kinder vergrault und bekommen gar keine Chance mal auf die Körbe zu werfen. Das schlimmste ist aber, dass Kinder den Konsum während des Sports mitansehen müssen und somit vermittelt wird, dass es cool ist wenn man sowas macht. Zu meiner Zeit gab es sowas nicht. Wer da so etwas gemacht hat und mitspielen wollte der wurde höflich gebeten nie wieder zu kommen. Wir drehen jetzt den Spieß um. Auf dem Schulgelände dürfen nur unsere Kinder spielen. Rauchen und Trinken ist da natürlich verboten. Bei Veranstaltungen mit unserer Korbanlage dürfen Kinder immer umsonst teilnehmen. Auch da bitten wir darauf zu achten das Kinder sowas nicht sehen müssen in Verbindung mit Sport. Jetzt können Sie endlich sagen: "Wir spielen jetzt hier. Ihr könnt ja zuschauen"

Einen besonderen Reiz hat diese AG, weil es bei schlechtem Wetter in eine Theorie Stunde in einen Klassenraum geht wo wir eine Smartboard nutzen können. Dort lernen wir das Regelwerk und schauen uns Videos an, um die Grundlagen des Spiels zu erlernen. Besonders das Dribbling und das Spiel 1 gegen 1 sollte der Beginn der Ausbildung sein. Hier ist in der jetzigen Generation ein großer Defizit zu erkennen. In meinen jungen Jahren gab es zum Beispiel die And One Mixtapes (eine Highlight Video Markting-Kampagne des Schuh-/Klamotten Herstellers And 1). Da ging es fast nur um Dribble-Skillz, Moves und die Fähigkeit nicht nur einen Gegner auszuspielen, Ziel war es den Gegner spielerisch zu deklassieren. Diese Videos prägten damals eine gesamte Generation in ganz Deutschland. Auch mich. Heute versuche ich den Kindern zu zeigen dass das Dribbling und die 1 gegen 1 Moves noch vor dem Wurf beherrscht werden müssen. Man sollte Schritt für Schritt vorgehen und kann diese Grundlagen nicht überspringen wenn man mal richtig Basketball spielen lernen will. Richtige Basketballer, die auf 2 Körbe spielen, können locker auf einem Streetball-Feld mit einem Korb bestehen. Andersherum gilt das nicht. Wenn es ernst wird, kann man ohne Ausdauer garnichts erreichen. Denn auch der beste Streetballer wird gegen einen NBA Spieler wie Stephen Curry oder Kyrie Irving mit großer Sicherheit verlieren. Sogar die besten NBA Spieler arbeiten immernoch an Ihren Basics. Man braucht nur einen Ball und einen Korb. Beherrscht man erstmal die Basics öffnet sich die Tür für ein unbegrenztes Arsenal an Moves und Würfen die es zu erlernen gilt. Fragen Sie den besten, vielseitigsten Spieler der Welt sein Können jederzeit abrufen kann. Er wird Nein sagen.

Als man mir einen Ball zurollte hatte ich 30 Jahre etwas zu tun.

Ehe man sich versieht hat man eine Lebensaufgabe gefunden.

Juni 2017

Die Schulmeisterschaft der Hamburg Towers am 29.6.2017 rückte näher.

Von April bis Juni kämpften 15-20 Kinder in sieben, einstündigen Trainingseinheiten um einen Platz im Team. Dann stellte sich heraus, dass bei einer 10 Minuten Spielzeit, nur acht Spieler pro Team zugelassen sind. Ich versuchte noch ein Team nachzumelden, aber in der Kategorie 4./5. Klassen war kein Platz mehr frei. Es wurde nur ein Startpatz in der Kategorie 6./7. Klasse angeboten.

Ich hielt Rücksprache mit meinem Team: Leute, es gibt gute und schlechte Nachrichten. Wir könnten doch mit zwei Teams antreten, aber eins müsste bei den 6./7. Klassen antreten. Dann spielen die besten acht von uns bei den Älteren.“

Modo (3. Klasse)  meldete sich sofort und sagte: “Trainer, uns sind die Gegner egal. Können wir nicht zwei gleichstarke Teams machen? Das macht dann mehr Spaß. Ich spiele auch gern gegen die Älteren."

So wurde es dann auch gemacht. Links steht der furchtlose Modo gegen den größten Teilnehmer des Turniers. Da sah erst wie groß die älteren schon sind. Er hat trotzdem um jeden Ball gekämpft.

Eine Lehrerin der GTS St.Pauli half bei der Vermittlung zu dem FC St.Pauli (die natürlich schon länger an der Schule präsent sind). Ein besonderer Dank nochmal an alle, die an dieser Aktion beteiligt waren. Ich bekam einen Anruf mit der Bitte ein Formular auszufüllen. Ein paar Tage Später erhielt ich für alle Teilnehmer der Schul-AG, vom FC St.Pauli, 18 Under Armour Trikots, Hosen und Socken. Die Kinder waren begeistert!

29.6.2017. Die Hamburg Towers Schulmeisterschaft fand in der Edel-Optics Arena statt. Die Halle des 2.Bundesliga Teams. Meine Betreuer und ich begleiteten die Schüler von 8.oo-16.30 Uhr. Wie bei anderen Ausflügen wollte ich auch einen etwas schwierigeren Jungen der Schule mitnehmen.  Außerdem sagte er mir, er sei sicher der beste Spieler aller 5./6. Klassen auf der Schule. Wie er sich bei dem Turnier machte im späteren Verlauf...

Das Team in Weiß, in der Kategorie 3./4. Klassen nannte sich, die St.Pauli Batlinge.

Das schwarze Team, in der Kategorie 5./6. Klassen nannte sich, die St.Pauli Batdinis.

Das Turnier startete. 3 Gruppen. Der Gruppenerste kommt weiter und ein Gruppenzweiter aller Gruppen mit der jeweils besten Bilanz. Dann direkt Halbfinale im K.O. System. Die Batlinge spielten zuerst. Ohne dass ich etwas sagen musste, standen alle anderen am Spielfeldrand und feuerten ihre Mitspieler lauter an als jedes andere Team bei dem Turnier. Bei jedem unserer Spiele.

Vor dem Spiel erklärte ich den Kindern nochmal die Grundlagen des Spiels. Achtet auf Doppeldribbling und Schrittfehler und keine Berührung des Gegners, wenn er den Ball hat. Passt viel und versucht in Korbnähe zu werfen. Das allerwichtigste bei der Verteidigung ist immer zwischen Mann und Korb stehen aber immer erstmal zurücklaufen und dann ab eigener Dreierlinie anfangen zu verteidigen.

Der letzte Satz wurde in der Schul-AG in der vierten Stunde bereits von allen verstanden und angewendet. Sonst könnten die anderen Grundlagen wie Übersicht, Passen und Werfen garnicht geübt werden. Sogar Erwachsene die mehrere Jahre Basketball spielen, verlieren gegen eine Ganzfeldpresse den Ball. Es endet meistens mit Ballverlusten. Spaß macht das nicht.

Bei den Turnier-Regeln stand da leider nichts von. Somit wurde es ein extrem chaotischen Spiel, weil Kinder denn Ball haben wollen und dann natürlich direkt auf den Ball zurennen. Also automatisch eine Ganzfeldpresse spielen, wenn man ihnen nichts anderes beibringt. Zuzusehen wie teilweise 4-5 Kinder  auf ein einzelnes Kind zurennen, dass nicht mal Dribbeln kann, war schrecklich. Nicht nur bei uns. Bei fast jeder Mannschaft. Wissen Sie was die Mitspieler des Kindes machen, das gerade von 4-5 Kinder umzingelt wird? Sie wissen es nicht besser und rennen auch dorthin um zu helfen. Was bei einer Ganzfeldpresse völlig falsch ist. Weil es dann dazu führt, dass 8-10 Kinder auf 3 Quadratmeter stehen und das Rauspassen oder Rausdribbeln unmöglich machen. Bei einer Presse verteilt man sich über das ganze Feld. Aber wie gesagt, dass kriegen nicht mal erwachsene Vereinsspieler immer hin. Somit sahen die meisten Spiele so aus als würden man Brotkrümmel über das Feld verteilen und 10 Tauben attackieren dann den Brotkrümmel/Ball. Im Vereinsbasketball spielt man in den Alterklassen auch keine Presse. Als ich die anderen Trainer darum bat doch bitte die Ganzfeldpresse sein zulassen, sagten mir die Trainer die im zweitem Jahr teilnehmen, dass verstehen die Kinder doch nicht. Meine Kinder haben das nach der 4. Stunde verstanden.

Servet aus dem Batlinge Team sagte: "Trainer, du hast uns doch Basketball beigebracht. Aber das ist hier Rugby!"

Er traf es damit auf den Punkt. Trotzdem hat es allen Spaß gemacht. Die Batlinge gewannen sogar ein Spiel und wurden 2. in der Gruppe  aber es reichte nicht für das Halbfinale. Die Batdinis verloren bei den 5./6. Klassen alle drei Spiele, aber kämpften trotzdem um jeden Ballbesitz und gaben nie auf. Auch hier wurde Ganzfeldpresse gespielt.

"Großes Lob an die Batlinge und die Batdinis in der älteren Gruppe. Sie mussten mit einer noch aggressiveren Presse fertig werden und haben trotzdem Kampfgeist bis zur letzten Sekunden bewiesen. Der "schwierigere" Schüler, den ich aus St.Pauli mitgenommen hatte, schützte die jüngeren seines Teams. Er hat mich zwar belogen als er sagte er wäre der beste Basketballer auf der Schule. Er kannte nicht mal die Regeln und gab später zu, dass er nur was von Pommes umsonst und Schulfrei gehört hat. Als aber einer seiner kleineren Mitspieler hart angegangen wurde, sprintete er zur Hilfe. Es ist nichts weiter passiert. Aber diese Tat brachte ihm große Sympathie ein.

Am Ende des Turniers gab es dann trotzdem Pommes für alle.
Wir brachten die Kinder um 16.30 Uhr wieder zurück.

Zum Batling des Tages wurde Yigit ernannt. Er gewann die Bat-Maske. Er hat einen unbändigen Kampfgeist bewiesen, immer für das Team gespielt und wurde nie müde. Er machte alles im vollsprint. Bei einer Niederlage musste er von beiden Trainern zurückgehalten werden, weil er unbedingt in der letzten Minute des Spiels, wo es bereits entschieden war, zurück auf das Feld wollte. Keine hasste es so sehr zu verlieren wie er. Ich sagte Ihm: schaffst du es noch mehr zu geben als heute? dann wirst du in ein paar Jahren ein Profi! Er sagte: "ich spiel eigentlich Fußball. Da verdient man mehr..."

Es ist egal für welche Sportart er sich entscheidet.

Aus diesem Holz werden Profis geschnitzt.

 

 

April 2017

Seit unserer Vereinsgründung 2015 versuche ich an Schulen Basketball AG´s anzubieten. Durch diesen Bericht von Rainer Grünberg aus dem Abendblatt vom 4.2.2017 gelang es mir endlich. In dem Stadtteil der Bats.

Die Halle auf dem Schulgelände der GTS St. Pauli wurde gerade erst saniert und befindet sich in einem Top Zustand. Bei der Inspektion der Bälle jedoch fiel mir etwas auf. Sehr viele Schulen haben diese Version von Basketbällen. Dieses orangene Ding ist aus dem billigsten Nylonmaterialien und ist sehr kurzlebig. Die Oberfläche ist rau und scheuert Kinderhände auf. Wenn sich Kinder draufsetzen (was jede Sportstunde passiert) haben die Bälle sofort ein Ei und sind spieluntauglich. Das ist dann ungefähr so als müssten die Kinder mit einem Football dribbeln. Ich habe fast jeden Basketball der Schule getestet. Beinahe alle hatten ein Ei. Das ist ein Problem an jeder Schule. Ich bat die Schulleitung, wenn sie irgendwann mal wieder Bälle bestellen sollten, mich zurate zu ziehen. Ich könnte Bälle empfehlen die 20 Jahre halten ohne je ein Ei zu bekommen.

Das erschreckende ist sogar, dass dieses orangene Ding in den letzten Jahren von 5 € pro Stück auf 29,95 € pro Stück gestiegen ist. Natürlich kann man verstehen, dass Schulen clever haushalten müssen. Aber ist es nicht besser wenn die Kinder ordentlich dribbeln und werfen lernen und die Bälle lange halten? Sehen Sie sich die Reaktion der Kinder an.

15 Kinder waren gleich beim ersten Mal da. Die erste Stunde der Basketball AG fing ich mit folgendem Satz an:

Ich mache das hier nicht zum Spaß und nicht für Geld. Ich suche Talente für unseren Verein und will die Schulmeisterschaft bei den Hamburg Towers gewinnen! Die besten 10 von Euch dürfen mit. Denen verprech ich schulfrei an dem Tag und Pommes für alle, wenn ihr gewinnt! Wenn ihr aber verliert, müsst ihr zusehen wie ich alleine Pommes esse. Außerdem wähle ich jeden Monat "den besten Spieler des Monats". Der kriegt dann ein St.Pauli Bats-T-Shirt geschenkt.

Die Kinder schauten sich an und lachten. Sie fanden es aber toll, dass es direkt mehrere Ziele zur erreichen gibt. Die meisten wollten ein T-Shirt gewinnen. Andere wollten sich lieber eine Pommes verdienen. Motiviert und begeistert waren sie alle. Bevor es richtig losging, versammelte ich alle Kinder an der dicken, blauen Matte.

Batmans Vater sagte, wir fallen damit wir lernen können wieder aufzustehen. Aber wusstet Ihr, dass auch das hinfallen trainiert werden muss. Wer weiß von Euch wie man richtig fällt? Wer hat mal eine Katze beim fallen beobachtet? Das ist eine lebenswichtige Übung. Bevor ihr das nicht alle beherrscht fangen wir nicht an.

Kein Kind kannte den Drehreflex einer Katze. Alle Kinder mussten sich mit dem Rücken zur Matte aufstellen und die Augen schließen. Nachdem Sie einen unerwarteten, leichten Schubser von mir (siehe Bilder unten) bekamen fielen fast alle zunächst auf die Hüften und auf den Kopf. Auf der dicken, weichen Matte passiert natürlich nichts. Auf Stein könnte das, auch bei einem leichten Schubser eine lebensbedrohliche Verletzung werden. Nach 10 Minuten beherrschten alle die richtige Art zu fallen.

Diese Erkenntnis wird sie hoffentlich ihr ganzes Leben begleiten.

Die "Spieler des Monats" T-Sirts gingen im April an Teresa, im Mai an Marco, im Juni an Ali und im Juli an Served und Christian.