Basketball ist ein Teamsport. Erfolgreiche Teams haben immer eine besonders gute Teamchemie. Spieler müssen das erstmal lernen. Im Vergleich dazu sind die Bäume in einem Wald wie geborene Teamplayer, von denen man viel lernen kann.

Samer gibt an der Stadtteilschule St. Pauli drei Basketball-Kurse. Er hatte die Idee als Teambuilding-Maßnahme und um den Schülern einen besseren Umgang mit der Natur beizubringen, einen Vortrag von Erwin Thoma zu besuchen. Fünf 14 jährige Schuler kamen mit.

Die Firma “Mojen Bauregie GmbH” ist langjähriger Partner von Erwin Thoma und lud ihn für einen Vortrag nach Hamburg ein. “Mojen” ist ein Unternehmen das aus Überzeugung gegründet wurde. Sie bauen Massiv-Holzhäuser die unbehandelt, giftfrei, gesund, sicher und behaglich sind. Sie zeigten sich sehr angetan von unserem Engagement, Schüler zu der Veranstaltung zu bringen. Ebenso freute sich Erwin Thoma, als er den Saal betrat und in der ersten Reihe unsere fünf Schüler vorfand.

Samer überreichte ihm ein Anschreiben mit einem Bild und sagte: “Du hast meine Einstellung zur Natur und zum Leben verändert. Deswegen bringe ich Jugendliche zu deinem Vortrag. Ich soll dich noch grüßen von “Old Tjikko”. Nachdem ich einmal deinen Vortrag gehört habe sind wir nach Schweden gefahren um diesen Baum zu finden.” Erwin Thoma fasste sich an den Kopf und freute sich als er das Bild sah. Das Foto zeigte Samer neben “Old Tjikko” auf dem Gipfel eines Berges in Schweden. Bei seinen Vorträgen erwähnt er meistens, dass die größten Bäume circa 120 Meter hoch wachsen und einen circa 14 Meter Stammdurchmesser haben. Dann stellt er eine retorische Frage: “Wissen sie wie alt der älteste Baum der Welt ist?”. Als er bei diesem Vortrag diese Frage in den Raum warf meldete sich einer von Samers Schülern als einziger und antwortete: “Ein Baum in Schweden ist 9500 Jahre alt und heißt Old Tjikko.” Alle applaudierten und lachten weil eigentlich kaum jemand diese Frage beantworten kann.

Erwin Thoma beschreibt Bäume wie Weggefährten: “Ein Baum besteht aus 99,95 % aus Kohlenstoff, dem CO2 aus der Luft und Wasser. Nur zu 0,05 % besteht er aus Mineralstoffen aus dem Boden. Bäume unterscheiden sich in vielen Punkten von den Menschen. In einem Punkt besonders. Sie haben sich mit der Erhaltung des Lebens befasst. Sie wissen von Tag eins, was sie wollen und bleiben diesem Ziel treu. Sie wollen ihre Nachkommen wachsen sehen. Sie wollen den Boden, die Luft und das Wasser erhalten und sauberer machen. Das tun sie ihr ganzes Leben lang. Wir haben die Natur bisher immer als etwas abgesondertes von uns gesehen. Allein das Wort “Umwelt” trennt uns von der Natur ab.”

Thoma benutzt lieber das Wort “Mitwelt” um damit schon etwas zu verdeutlichen. Wir vermuten nicht, dass man Lösungen im Wald finden kann. Die Antwort wie man Holzhäuser in Sommer kühl und im Winter warm halten kann ohne Energie von außen zu verwenden hat er in der Thermodynamik von Ameisenhaufen abgeschaut. Erwin Thoma hat über ein Jahr mit Wissenschaftlern einer technischen Universität Ameisenhaufen untersucht. Im inneren eines Ameisenhaufens, wo die Larven schlüpfen, herrscht über das ganze Jahr eine gleichbleibende Temperatur. Egal ob im Sommer die Sonne daraufscheint, im Winter Schnee darauf liegt oder der Durchmesser des Haufen nur 40 cm ist. Thoma wollte dieses Prinzip auf seine Häuser übertragen und hat es auch in all seinen Häusern geschafft. Sogar in einem fünf stöckigen Haus im Gebirge in der  Schweiz, wo es bis minus 20 Grad im Winter wird, bleibt es ohne Heizung im inneren des Gebäudes immer warm.

Erwin Thoma dazu: “Bis zum 1. Weltkrieg wurden in Deutschland Häuser aus 15 wiederverwendbaren Materiallien gebaut. Heute stehen einem Architekten Tausende unüberschaubare, nicht wiederverwendbare Materiallien zur Verfügung. Zum Beispiel die Herstellung von Zement die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie bei circa 2000 Grad stattfindet, verbraucht mehr Energie als alle Autos, Schiffe und Flugzeuge zusammen. Energieverbrauch ist gleichbedeutend wie analog zum CO2 Ausstoß. Vom gesamten Energieverbrauch in Deutschland wird mehr als die Hälfte für das herstellen der Baustoffe, für das bauen, beheizen, kühlen, betreiben und sanieren der Bauten verwendet. Wenn wir wirklich einen Effekt erzielen wollten, müssten wir da ansetzen. Darüber spricht aber kaum jemand. Wir müssten nicht ganz auf Beton verzichten. Wir brauchen es noch für Fundamente und andere Zwecke. Aber Kindergärten, Schulen, Wohnanlagen und Krankenhäuser damit zu bauen ist völliger Wahnsinn. Wir müssen mehr Holz verwenden. Wir müssen Städte bauen wie der Wald und Häuser wie ein Baum. Das heißt so zu bauen, dass es langlebig und wiederverwendbar ist. Ich habe in den letzten 10 Jahren über 1000 energieautarke Häuser in 30 Ländern gebaut. Diese Häuser sind nicht wie die meisten herkömmlichen Häuser, die nach 50-70 Jahren sanierungsbedürftig. Sie halten hunderte Jahre und sind dann auch noch wiederverwendbar. Wir müssen von der Wegwerfwirtschaft in die Kreislaufwirtschaft kommen. Dann haben wir nicht nur ein Müllproblem gelöst. Dann gehen wir von der Mangelwirtschaft in die Fülle. So wie es die Natur macht.”

Ein Bauhher bei einem Hausbau koordiniert vielleicht 200 Leute. Ein Baum koordiniert Tausende. Heute kann man durch Messungen in der Biochemie viele Geheimnisse der Forstwirtschaft lüften.

Das Leben der Bäume beginnt mit einem Wettkampf, der nur solange geht bis sie es unter sich ausgemacht haben. Wenn Bäume erstmal ausgewachsen sind, wenn sie ihre Existenz gesichert haben, dann gibt es im Wald keinen Wettkampf, es gibt kein Gegeneinander mehr sondern nur noch ein Miteinander. Da weiß jedes einzelne Individuum die Herausforderung des Lebens zu meistern. Den nächsten Sturm, die nächste Dürre, alles was kommt. Wenn einem Baum bei einer Dürre im Hochsommer die Wasservorräte knapp, drosselt er das Wachstum und meldet es sofort den umliegenden Bäumen. Wenn auch andere Bäume diese Signale geben wird das Wachstum bei allen ganz eingestellt. Sie helfen einander bis es wieder regnet und es allen wieder besser geht.

Wenn in der Wirtschaft ein Mitbewerber sagt: “Hey mir geht das Geld aus, hilf mir mal” passiert genau das Gegenteil.

Erwin Thoma hat bisher ein Dutzend Bücher veröffentlicht. Er besitzt einen Doktor-Ingeneur Tilel und hat Forstwirtschaft und Betriebswirtschaft studiert. 1998 patentierte er seine leimfreie Vollholzbauweise “Holz100”.

Dazu sagte er: “Sie lernen in dem einen, genau das Gegenteil von dem anderen. Im Wald sieht man das Wachstum ein Vorgang ist, der nie exponentiell sein kann. Wachstum hat immer Kulminationskurven. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, dass würde sie zerstören. Die Bäume optimieren ihren Wachstum. In der Wirtschaft wird uns gelehrt, nur wenn man exponentiell wächst hat man Erfolg. Ein großes Unternehmen muss zuerst seine Mitbewerber fertig machen. Dann muss das Unternehmen zeigen dass es monopolisieren kann. Dann die Kunden abhängig machen. Hat man auch das geschafft, dann muss man zusehen dass man selbst die Spielregeln macht und die demokratischen Strukturen aushebelt. Regeln, die nur dem eigenen Unternehmen nützen und den kleinen Unternehmen schaden. Exponentielles Wachstum endet im Wahnsinn. Das sind die Gesetze der Wirtschaft. Im Wald herrschen ganz andere Gesetze. Da herrschen die Gesetze des Lebens. Da geht es darum, dass alles was ein individuum tut für alle gut ist.”

Inspiriert wurde Erwin Thoma von seinem Großvater. Der Opa sagte ihm, er solle die Bäume nur in der Zeit der Saftruhe bei abnehmendem Mond  ernten. Die Bäume würden dann eine bessere Stabilität sowie eine bessere Feuerbeständigkeit haben, von weniger Käfern befallen sein und das Holz würde länger halten. Dazu sagte Erwin: “Opa, ich habe Forstwirtschaft studiert. Meinst du nicht, ich hätte während des gesamten Studiums irgendetwas davon gehört?” Nachdem Erwin es selbst geprüft und das geschlagene Holz mit seinen Nachbarn verglich, bemerkte er dass sein Opa recht hatte. Nachdem er es in einem seiner Bücher erwähnte bekam er Besuch aus Japan. Ein paar Mönche aus dem ältesten Holz-Tempel der Welt, dem “Horyu-ji” in Ikaruga, Japan, besuchten Erwin Thoma um ihn zu fragen woher er das Wissen hat, Mond-Holz zu verwenden. Der circa 1500 Jahre alte Holz-Tempel “Horyu-ji” sei ebenfalls aus Mond-Holz erbaut worden. Das sei eine uralte Tradition. Mehr Infos und Studien über Mond-Holz gibt es hier. Sein Buch wurde dann auch auf japanisch übersetzt und dort auf den Markt gebracht. Er bekam daraufhin Bauaufträge in Japan. Seine “Holz100” Häuser haben in Japan zahlreiche Erdbeben, darunter das verheerende Tohoku-Erdbeben von 2011, unbeschadet überstanden. Seine Bauten haben höchste Erdbebensicherheit. Zudem halten sie den Weltrekord bei der Wärmedämmung und haben einen sechsfachen Brandschutz. Der Bau von energieautarken Häusern machen Holz zum Hightech-Baustoff der Zukunft. Thoma fragt sich warum er nicht mehr Bauaufträge aus Deutschland erhält.

“Die Natur leistet Dinge, die schaffen wir Menschen niemals. Wir Menschen bilden uns ein besser zu sein als die Natur. Je demütiger wir sind, umso mehr dürfen wir lernen und umso weiter können wir im eigenen Leben vorankommen. Die Natur ist unsere größte Quelle aus der wir schöpfen müssen. Sie ist unser zweiter Körper. Auf den wir achten müssen, mit derselben Freude und derselben Sorgfalt wie auf unseren eigenen Körper. Wer unseren menschlichen Körper verletzt wird jurisstisch belangt. Wer unseren zweiten Körper, unsere Mitwelt, verletzt um sein Konto zu füllen wird nicht belangt. Das müssen wir sofort ändern.” So Toma.

Wir brauchen einen kulturellen Klimawandel.

Schauen sie sich einen Vortrag oder Interview von Erwin Thoma an.